Genug von Gregs Abenteuern!
Gregs Tagebuch Band 6: Keine Panik!
Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 6 – Keine Panik! € 12,99, 218 Seiten, durchgehend Schwarz-Weiß-Abbildungen, Gebunden, Baumhaus Verlag, ISBN-978-3-8339-3637-1
Im Hirn eines Dreizehnjährigen: Gregs Tagebuch 4
Für alle Jungs, die nicht gerne lesen, hatte ich im letzten Herbst „Gregs Tagebücher“ empfohlen. Wer einmal mit deren Lektüre anfängt, ist angefixt. Jeff Kinneys Bücher, eine geniale Mischung aus Roman und Comic, schildern mit viel Witz die Alltagsprobleme des 13-jährigen Titelhelden, die sich um Eltern, Geschwistern, Freunde und Schule drehen.
Hiesige Fans mussten lange warten, aber inzwischen ist auch der vierte Band auf Deutsch erschienen.
In „Ich war’s nicht“ begegnen wir einen Greg, der zwar ein Jahr älter, aber kein bisschen geläuterter ist. Es sind wieder Sommerferien und Greg hat ganz viel Zeit über sich und sein hartes, ungerechtes Leben zu sinnieren. Dass er bei strahlendem Sonnenschein nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher abhängen darf, dass seine Mom es nicht lassen kann, ihn fürs Lesen begeistern zu wollen, dass er zu Familienausflügen gezwungen wird, zum Geburtstag aber trotzdem nie das bekommt, was er sich wünscht, dass er für angehäufte Schulden gerade stehen muss … Die Liste der Ungerechtigkeiten, die Greg widerfahren, ist schier unendlich.
Wieder einmal gelingt es Jeff Kinney die Erlebnisse seines jugendlichen Helden treffsicher und mit unglaublich viel Humor zu schildern. Allein in den USA haben sich Gregs Tagebücher schon mehr als 24 Millionen Mal verkauft, die ersten beiden Bände standen über 80 Wochen lang auf der New York Times Bestseller-Liste! Und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Hollywood den Pubertierenden annahm. Der erste Greg-Film „Diary of a Wimpy Kid“ hat in den USA direkt am ersten Wochenende Platz 2 der Kinocharts erobert. Ab dem 16. September ist er auch bei uns zu sehen. Greg trifft einfach haargenau das Lebensgefühl seiner Zielgruppe – überwiegend Jungs im ähnlichen Alter. Doch auch für Erwachsene sind Gregs Reminiszenzen eine äußerst vergnügliche und sogar lohnende Lektüre, denn sie gewähren Einblicke in die Hirn- und Denkstruktur von dreizehnjährigen Jungs.
Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 4: Ich war’s nicht!
Baumhaus Verlag, ISBN 978-3-8339-3653-7, € 12,90, ab 10 Jahren
Erich Kästner: Von jugendlichen Detektiven und fliegenden Klassenzimmern
Rückblickend ist es ein Glück, dass Kästner sich am Anfang des Projekts quer stellte. „Das Manuskript ist ekelhaft“, urteilte er über die erste Drehbuchfassung des Romans, woraufhin die UFA gezwungen wurde, einen neuen Drehbuchautor zu suchen. Die Wahl viel auf Billy Wilder, damals jung und unbekannt. Kästner und Wilder verstanden sich blendend, der Film wurde 1931 zum absoluten Blockbuster und ebnete den Weg für alle folgenden Kästner-Bücher. „Dieses ist nicht nur ein Film für Kinder. Jeder Erwachsene, der nicht völlig die Freude am primitiven Sich Freuen verloren hat, muss diesen Film reizend und sehenswert finden“, schrieb der Filmkurier nach der Berliner-Premiere.
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Düsseldorf suchte den Super Slammer
100 Kandidaten traten an bei den deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2009 in Düsseldorf
„Ich bin ein Gewinner“ war Julius Fischer überzeugt. Als Premium-Mitglied, Besitzer von Punktekarten und heiß umworbener neuntausendneunhundert-neunundneunzigster Besucher von bestimmten Internetseiten steht er sonst auf der Sonnenseite des Lebens. Am Samstagabend ließ ihm sein Glück im ausverkauften großen Saal des Düsseldorfer Schauspielhauses jedoch im Stich. Dabei hätte man nicht nur ihm, sondern allen zehn Finalisten der diesjährigen deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften den Sieg gewünscht. Um überhaupt an diesem Abend auf dieser Bühne stehen zu können, hatten sich alle verbal durch mehrere Vorrunden gekämpft und neunzig Kandidaten hinter sich gelassen. Doch nur einer von ihnen konnte den Pokal nach Hause nehmen, die Jury hatte einen schweren Job, aus dem Kopf an Kopf Dichten der Top Ten einen Sieger zu wählen. Zum Einstieg ins Dichterrennen präsentierte Tracy Splinter, die erste und bisher einzige weibliche deutschsprachige Slam-Meisterin eine eigenwillige Performance zwischen Strip und Lyrikvortrag. Seltsamerweise trug sie ihre Wortakrobatik nur in englischer Sprache, garniert mit etwas Spanisch, vor. Etwas befremdlich fand mancher Besucher auch ihr Angebot, dem Gewinner ihr Hinterteil zum Küssen anzubieten, obwohl Derbes und Deftiges zum Slammen gehört wie der Senf zur Wurst. Die Entkleidungsnummer der Dame wurde mit Buhrufen und Applaus zugleich begrüßt, an ihrer Dichtkunst mussten sich die Kandidaten anschließen messen. Trotz der harten Wortbandagen, die an diesem Abend flogen, herrschte ausgelassene Party-Stimmung im Saal. Mit Bierflaschen prosteten sich die Besucher zu, aus Taschen und Rücksäcken wurden Knabbereien ausgepackt und mit Sitznachbarn geteilt. Seifenblasen glitten glänzend über die Stuhlreihen. Favoriten wurden angefeuert, laute Zwischenrufe an der Tagesordnung. Die Kandidaten lieferten Ausflüge in die Welt der Quallen, der Krabbelgruppen und der Kinderbespaßung. Hier schilderte Lara Stoll, die einzige weibliche Finalistin, sehr plastisch und zweisprachig die Folgen einer Lebensmittelvergiftung nach einem Kinderfest. Regurgierte Mageninhaltsbröckchen in green, blue, yellow mit zäh und dünner Flüssigkeit überforderten die angerufene Giftzentrale und waren am Ende ein Fall für die Polizei. Weniger ekelig war da die humorvoll gereimte Definition verschiedener zwischengeschlechtlicher Beziehungsformen. Von „Affaire“ über „One Night Stand“ bis zur „Romanze“ erklärte Philipp Scharrenberg auf höchstamüsanter Weise die unterschiedlichen Perspektiven von Männern und Frauen. Wilhelm Busch hätte das nicht pointierter hingekriegt. Der Saal kocht, als Philipp Scharrenberg am Ende dieser langen Nacht den heiß umkämpften Pokal überreicht bekommt, der eigene Kopf raucht von dem Feuerwerk gehauchter, gebrüllter, lakonisch hingeworfener, geflüsterter Worte, die drei Stunden bestes Kopfkino beschert haben. Und das Hinterteil von Tracy? Das kam wie versprochen zum Schluss noch mal zum Vorschein. NRZ Viel Kopfkino 2-11-09
Literatur im Geschwindigkeitsrausch
Die XIII. Deutschsprachige Poetry Slam Meisterschaften in Düsseldorf
Wer die Dichtkunst für im Sterben liegend oder gar tot hielt, wird bei den Poetry Slam Meister-schaften eines Besseren belehrt. Schon während der Vorrunden ist der Saal im Zakk brechend voll, alle Stühle sind besetzt, Besucher stehen an den Wänden entlang und nehmen sogar auf dem Boden Platz, um die crème de la crème der deutschsprachigen Wortakrobaten zu lauschen. In Düsseldorf finden seit Donnerstag die Meisterschaften statt. Dafür sind die besten Poeten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein angereist. 250 Teilnehmer sind es, die in 18 Vorrunden mit viel Schlagfertigkeit, Einfallsreichtum, Rhythmik und Geschwindigkeit um die Wette dichten. Maximal sechs Minuten Zeit haben die Kandidaten, die in ihren Städten bereits Meister geworden sind, um in Düsseldorf Publikum und Jury zu überzeugen.
Bunte, lustige, Comicwelt: Ein kleiner Streifzug durch das Reich der Sprechblasen
Bunte Bilder und kaum Text – so sieht der erste Lesestoff von Krabbelkindern aus, ähnlich den Höhlen- und Wandmalereien, mit denen sich unsere Vorfahren die Freizeit vertreiben. Ist es das Archaische in uns, das die Beliebtheit von bunten Bildern mit wenig Text auch noch im hoch entwickelten 21.Jahrhundet erklärt? Vor die Wahl gestellt: Buch oder Comic, kenne ich kein Kind, das sich für ein Buch entscheiden würde. Comics, ob mit vermenschlichten Tieren, Superhelden wie Spiderman oder Manga-Figuren, sind der Renner bei Kindern, Jugendlichen – und zunehmend auch bei Erwachsenen.
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Longseller aus England: Enid Blytons Abenteuer-Bücher
Die Kinderbuchautorin Enid Blyton gehört zu den Lieblingsautoren meiner Kindheit. Die Engländerin war eine überaus produktive Schreiberin: 700 Bücher und mehr als 10.000 Kurzgeschichten für Kinder hat sie verfasst, die in fast 100 Sprachen übersetzt worden sind und bis heute zu den meistgelesenen Kindertitel der Welt zählen. Neben ihren Internats-Romanen um “Hanni und Nanni” und “Dolly” (die in den deutschen Fassungen nicht alle aus Blytons Feder stammen!), verschlang ich ihre Abenteuer um, Rätsel um und natürlich die Fünf Freunde Bücher. Mit den “Fünf Freunden” schuf Blyton die bekanntesten Helden aller Zeiten. In über 60 Abenteuer stecken die neugierigen Fünf ihre Nasen in anderer Leute Angelegenheiten und lösen am Ende einen kniffeligen Fall.
Lob der Disziplin – Erziehung im Bücherstreit
Der eine titelt sein Buch “Kreative Autorität” (Ulrich Beer), der andere “Lob der Disziplin. Eine Streitschrift” (Bernhard Bueb). Neue Erkenntnisse für Eltern und anderen Erziehenden liefern diese Bücher jedoch nicht.
Es wird gerne und häufig festgestellt, dass Erziehung nie so schwierig war wie heute, dass die Jugend „von heute“ sich der Autorität der Erwachsenen und Erziehenden nicht mehr beuge und dadurch die Sitten und Werte verfallen. Diese Klage ist nicht neu. Die Erkenntnisse hatten schon Gelehrte in biblischen Zeiten. Etwa 700 vor Chr. schrieb Heisold: “Ich habe keine Hoffnung mehr für die Zukunft unseres Volkes, wenn sie von der leichtfertigen Jugend von heute abhängig sein sollte.“ Auch Platon beklagte, dass sich junge Menschen immer häufiger den Lehren der Erwachsenen widersetzten und dass die Älteren ihre Autorität nicht genügend ausübten. “Und das ist der Anfang der Tyrannis“, so Platon.



