Interview

Das Leben ist zu lang

Mit leichter Verspätung kommt Dani Levy ins Atelier Kino zur Aufführung seines neuen Films „Das Leben ist zu lang“.

Dani Levy im Atelier Kino, Düsseldorf. Foto: Wolfgang van Eik


Seine letzten Filme „Alles auf Zucker“, und „Mein Führer“ sahen über 1,5 Millionen im Kino. Und auch das Atelier ist an diesem Abend ausverkauft. Gerade noch beim WDR in Köln, geht es nach dem Besuch in Düsseldorf direkt weiter nach Essen. Am Vorabend war noch große Premiere in Berlin. Das klingt nach Stress und Zeitdruck. Doch Levy, lässig in Jeans, mit geblümtem Hemd und Sakko, wirkt kein bisschen gehetzt oder ungeduldig. Auch nicht, als mein Aufnahmegerät den Geist aufgibt, ein TV-Team wartet und die ersten Zuschauer Autogramme von ihm wollen. Er nimmt sich Zeit, geht auf Fragen ausführlich und freundlich ein, macht Witze und nimmt seine Gegenüber ernst.

Herr Levy, die Hauptfigur Ihres neuen Films hat mehr Zeit, als ihr lieb ist. Alfi Seligers Leben ist zu lang. Wie sieht das bei Ihnen aus?

D.L.: Mein Leben ist gefühlt zu kurz. Es ist ein Paradox. Wir leben nicht mehr natürlich und organisch, sondern das Leben muss verwaltet werden. Zeitmanagement gehört zum Zeitgeist. Wir glauben, wenn wir wenig tun, leben wir nicht genug. Die Tage sind zu kurz, die Zeit mit den Kindern ist zu kurz, die Zeit, die man hat, einen Film zu realisieren ist zu kurz…

Trotzdem ist der Film fertig geworden. Und wieder wird der Vergleich zu Woody Allen gestellt. Selbst der Namen Ihrer Hauptfigur klingt wie Allens Stadtneurotiker Alvy Singer.

D.L.: Da war mein Unterbewusstsein wohl am Werk, denn das sind keine geplanten Parallelen. Aber ich verehre und liebe Woody Allen, er ist mein Ziehvater, gehört zur „Familie“. Er zeigt auf komödiantische Art, wie Menschen mit dem Leben hadern, war Vorreiter in der Kunst, die Realität zu reproduzieren. Das versuche ich auch zu tun. Sein Arbeitstempo bewundere ich auch sehr. Wenn der einen Film im Kino hat, dreht er schon den nächsten und hat einen Dritten in Vorbereitung. Bei mir kommt ein Film, dann erst mal zwei Jahre nichts.

Sind Sie also auch ein intellektueller Filmemacher wie Allen?
D.L.: Ich mache unterhaltsame Filme, die den Zuschauer fordern und vielleicht verstören, aber populär bleiben. In meinen Filmen steckt auch Philosophisches, aber ich würde sie nicht als intellektuelles Kino bezeichnen.

Wie viel von Ihnen steckt in Alfi Seliger, einem jüdischen Filmemacher in der Krise?
D.L.:Er ist nicht ich, auch wenn er mir häufig aus der Seele spricht. Ich habe auch Höhen und Tiefen erlebt, doch fühle ich mich wesentlich privilegierter und etablierter als er. Aber letztendlich ist er eine lustvoll erfundene Figur. In den meisten von uns steckt ein Stück Alfi Seliger.

Sie rechnen bei allem Humor ziemlich hart mit Ihrer Branche ab…
D.L.: Als Abrechnung mit der Branche sehe ich das nicht. Was man hier sieht ist nur Alfi Seligers Albtraum, die überspitzte prekäre Situation, in die ihn Dani Levy schickt. Es war schon immer schwierig, Projekte zu verwirklichen, und man trifft dabei manchmal auf ähnliche Figuren, wie die in meinem Film. Wenn es als Abrechnung gedacht wäre, hätten nicht alle mitgespielt. Mich haben sogar Leute angerufen, die noch mitmachen wollten.

Das Cast liest sich wie ein who is who des Deutschen Films: Veronica Ferres, Heino Ferch, Yvonne Catterfeld, Gottfried John, um nur einige zu nennen. Ob diese Namen reichen, Millionen von Menschen ins Kino zu locken? Die Kritiken zu „Das Leben ist zu lang“ sind nicht gerade berauschend. Deshalb bittet der Regisseur das Publikum im Atelier um tatkräftige Unterstützung. „Erzählen Sie es Ihren Freunden auf Facebook, oder twittern Sie’s. Aber tun Sie’s innerhalb der nächsten 96 Stunden. Filme haben eine kurze Halbwertzeit“.
Und weil Dany Levi so sympathisch rüber kommt, ist es gut vorstellbar, dass sie es tun werden. Dann ist er auch schon weg, denn auch in Essen muss an diesem Abend für den Film getrommelt werden.
NRZ-Dani Levy-30-08-10

Dani Levy und Kinobetreiber Kalle Somnitz scherzen im Atelier-Kino Foto:Wolfgang van Eick

“Die Queen schickt schönes Wetter !”

Interview mit Stephen Frears. NRZ 22.8.2009
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Branford Marsalis:Leidenschaft für Jazz und Klassik (NRZ)

Leidenschaft für Jazz und Klassik: Branford Marsalis, der Mann mit dem Saxophon ehrt Düsseldorf mit fünf Auftritten

Wer Saxophonklänge liebt, kommt an Branford Marsalis nicht vorbei. Der Musiker, der diese Tage gleich fünf Gastauftritte in Düsseldorf gibt, gehört zu den besten seines Fachs. Heute Abend (Freitag) spielt er in der Tonhalle mit den Düsseldorfer Symphonikern Werke von Ravel, Veldhuis und Skrjabin. Am Samstag und Sonntag folgen Jazz-Auftritte.
Die Liebe zur Musik ist dem Weltklassen-Saxophonisten in die Wiege gelegt worden. Als Sohn eines bekannten Pianisten spielte Branford mit fünf Jahren schon Klavier. Mit sieben beherrschte er die Klarinette, mit 15 wagte er sich ans Saxophon. Während die meisten Musiker sich auf ein Genre festlegen, zeichnet sich Branford Marsalis durch seine musikalische Vielseitigkeit aus. Mühelos wechselt er vom Jazzfach zur Klassik, von Funk zu Pop und Crossover-Fusion. In den 80ern gehörte er Art Blakey’s Jazz Messengers an, er spielte an der Seite von Jazz-Legenden wie Clark Terry, Miles Davis, Dizzy Gillespie und Sonny Rollins. Mit Sting tourte der gebürtige New Orleaner zwei Jahre lang durch Europa und die USA. Diese Zusammenarbeit verhalf Branford zum großen Durchbruch. Als er Anfang der 90er-Jahre als Bandleader der Tonight Show verpflichtet wurde, war er in A-Promiland angekommen. Diesen Job, bei den ihm jeden Abend halb Amerika zuschaute, hing er jedoch schnell wieder an den Nagel. Seine musikalische Freiheit war ihm wichtiger als der Ruhm. „Der Wunsch Musiker zu sein, war einfach viel stärker als der Wunsch, den prominenten Entertainer zu spielen“, sagt er.
Mit seiner Band Buckshot LeFonque spielt er tanzbaren Funk-Jazz, das Quartett gibt anspruchsvollen Jazz von polyrhythmischer Diversität. Regelmäßig tritt der mehrfache Grammy-Gewinner als Solist mit führenden Kammer- und Symphonieorchestern auf. Bevorzugt er keine Musikrichtung? „Ich habe schon fast jede Musikrichtung gespielt, aber meine Lieblingsgenres sind Jazz und Klassik. Denn nur diese zwei Musikrichtungen erfordern wirkliches musikalisches Können“, sagt er selbstbewusst. Wer sein Fach so gut beherrscht, braucht keine falsche Bescheidenheit.
Nebenbei fördert Marsalis den musikalischen Nachwuchs und engagiert sich mit seinem Freund Harry Connick Junior für den Bau eines Musiker-Dorfs in New Orleans. „Ich bin kein Gutmensch, bin nicht in einem religiösen Haus aufgewachsen, wo die Eltern gepredigt haben, tut dies oder das. Aber durch ihr Vorbild haben sie uns Kindern gezeigt, dass man ein soziales Gewissen haben und entsprechend handeln sollte“, erläutert er sein Engagement. Es wundert daher nicht, dass dieser Mann als einer der 50 einflussreichsten US-Bürger vor wenigen Wochen eingeladen wurde, um in einer US-weiten Sendung seine Ansichten zum Thema „Rechte und Pflichten demokratischer Staatsbürgerschaft“ zu erläutern.
In Düsseldorf trat Branford Marsalis zuletzt vor zwei Jahren in der Tonhalle auf. Wer ihn damals verpasste hat diesmal sogar die Gelegenheit, den Virtuosen in beiden seiner Lieblingsgenres zu erleben.

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