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Und die Momo geht an …

Ein Besuch auf der Buchmesse zur Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises

Beim Ausstieg an der Haltestelle Messe wird man in der Unterführung jedes Jahr von den Klängen eines alten Streichers mit langen weißen Haaren begrüßt. Er scheint den ganzen Tag hier zu verbringen, denn am Abend steht er immer noch fiedelnd da. Ob er immer, oder nur zur Buchmesse hier auf seiner Geige spielt? Und warum gerade an einer U-Bahn-Station und warum gerade diese? Hat er früher die Welt bereist, in großen Sälen konzertiert, war er Buchhändler? Statt den Alten zu fragen, lasse ich mich mit dem Besucherstrom Richtung Messeeingang schieben. Vielleicht schreibt ja mal jemand ein spannendes Buch über den alten Mann, das alle diese Fragen beantwortet. Um die spannendsten und besten Bücher für Kinder und Jugendliche geht es bei der Preisverleihung des Jugendliteraturpreises. Zum 56. Mal wurden die Preise in diesem Jahr vergeben. Während der Buchhandel kränkelt, boomt der Bereich Kinder & Jugendliteratur. Im letzten Jahr gab es hierzulande über 8000 Neuerscheinungen – nur für Kinder und Jugendliche! Die Verleihung des Jungendliteraturpreises ist die größte, wenn auch nicht die glamouröste Veranstaltung auf der Buchmesse. Es scheint ein Zwiespalt in Verlagswelt und Buchhandel zu herrschen. Die Sparte „Kinder & Jugend“ ist die Stütze des Buchhandels, nur hier gibt es überhaupt noch Wachstum. Doch so richtig feiern tut man die Preisträger, die für erwachsene Leser schreiben – mit höheren Preisgeldern, opulenteren Empfängen wo man kein Gutschein für ein Getränk benötigt! So wundert es auch nicht, dass Bundesministerin Schröder, die diesen einzigen staatlichen Literaturpreis vergeben sollte, sich von ihrem Staatssekretär vertreten lies. Dieser wusste anfangs nicht einmal, wie der Preis richtig heißt und gab Tiefsinniges von sich wie: „Das Kinder- und Jugendbuch ist aus Kinderbüchern nicht weg zu denken.“ weiter lesen …

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Familienkino im März

Von merkwürdigen Typen, Fabelwesen, Fussballkarten und ein geheimnisvolles Krokodil

Unser Leben – eine spannende Begegnung mit tierischen Wesen
Regie: Michael Gunton,Martha Holmes, Kinostart: 15. März

Mit Dokus kann man viele Kinder jagen, doch dieser Film ist ein wirkliches Highlight für die ganze Familie.
Anders als der Titel vermuten lässt, geht es in dieser BBC-Dokumentation nicht um unser, also menschliches Leben, sondern um das der Tiere. In beeindruckenden Bildern zeigt der Film verschiedene
Spezies – zu Land, im Wasser und in der Luft. Auf allen Kontinenten waren die Drehteams unterwegs, um Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu filmen.
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Mein Monatsfavorit:The Liverpool Goalie oder Wie man die Schulzeit überlebt
Regie: Arild Andresen, Kinostart: 15. März
Das Leben kann verdammt hart sein, wenn man 13 Jahre alt, ein Einserschüler, mäßiger Sportler und Sohn einer hypervorsichtigen Alleinerziehenden ist.

Jo wird in der Schule gehänselt, muss für den Klassentyrann Tom Erik die Hausaufgaben erledigen, und kassiert obendrauf regelmäßig Prügel von dessen Bande. Zuflucht findet Jo in seinen phantasievollen und abenteuerlichen Tagträumen. Und beim Sammeln von Fußballkarten.
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Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen
Regie: Peter Lord, Jeff Newitt, Kinostart: 29. März
Käpt’n Jack Sparrow muss mal kurz Platz machen, denn jetzt kommt „Piratenkapitän“, ein Möchtegern-Haudegen, der es mit seiner merkwürdigen Crew irgendwie nie schafft, zum Schrecken der Weltmeere zu werden. Entered seine Mannschaft ein Schiff, dann gibt’s an Bord garantiert nichts zu holen – oder höchstens die abfallenden Glieder der leprakranken Besatzung… Trotzdem möchte Piratenkapitän zum „Piraten des Jahres“ gekürt werden. Leider gibt es Konkurrenz um den begehrten Titel: Die Seeräuber Black Bellamy und Entermesser Lis gieren ebenfalls nach der Trophäe.

Das Haus der Krokodile
Regie: Cyrill Boss & Philipp Stennert, Kinostart: 22. März

Haus der Krokodile
Das Haus der Krokodile
Gänsehaut für Einsteiger: Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Helmut Ballot (die Eltern-Generation erinnert sich vielleicht an die gleichnamige TV-Serie, die in den 70er Jahren im Ersten lief), haben Cyrill Boss und Philipp Stennert einen perfekten Krimi für Kinder inszeniert. In einer alten Villa leben die Geschwister Viktor, Cora und Louise vorübergehend alleine, weil ihre Eltern beruflich verreist sind. Während seine älteren Schwestern mit anderen Dingen beschäftigt sind, streunt der elfjährige Viktor durchs Anwesen, findet ein ausgestopftes Krokodil, ertappt einen Einbrecher und entdeckt in einem Geheimfach ein altes Tagebuch.

Alle Kino Tipps für Familien im März finden Sie hier: Kino_03-12

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Sozialer Abstieg: Wenn die Armut anklopft

Vor wenigen Jahren zählte die Journalistin Katarina K. (Name geändert) noch zu den Gutverdienern im Lande. Als fest angestellte und über Tarif bezahlte Redakteurin konnte sie sich ein angenehmes Leben leisten. Eingekauft wurde, was gefiel. Konzert-, Kino- und Restaurantbesuche unternahm die Redakteurin regelmäßig mit Freunden. Auch die über zweihundert Euro Elternbeitrag die ein Ganztags-Kindergarten-Betreuungsplatz damals in der zweitteuersten Stufe kostete, waren für die Alleinerziehende kein Problem. Ob sie sich einen jährlichen Auslandsurlaub mit ihrem Sohn gönnen konnte, stand für Katarina damals nie in Frage. Dann wurden in dem Verlag, in dem sie arbeitete die Prozesse „optimiert“. Die ominösen Begriffe Rationalisierung und Konsolidierung machten die Runden. Am Ende des Prozesses standen mehrere Redakteure auf der Straße. Es waren überwiegend die Älteren, die übertariflich bezahlten wie Katarina – sie waren zu teuer und wurden einfach weg rationalisiert. Selbst über die Sozialauswahlkriterien sah der mächtige Arbeitgeber hinweg. Unter dem schönen Deckmantel der „betriebsbedingten Kündigung“ konnte deshalb sogar eine Alleinerziehende mit jahrelanger Firmenzugehörigkeit gekündigt werden. Niemals hätte sich die gut ausgebildete Fünfzigjährige träumen lassen, dass sie danach keine Stelle mehr finden, niemals, dass sie bald zu denen gehören würde, die neudeutsch als das „akademische Prekäriat“ bezeichnet werden. Armut – das war früher ein Schicksal, dass Menschen ohne Berufsausbildung oder Schul- und Studienabschluss betraf. Weiter lesen … Angst vor der Armut