Kategorien
Familie-Erziehung-Beziehung Film und Buch Gesellschaft und Umwelt

Capernaum: Stadt der Hoffnung

In Handschellen wird ein kleiner Junge am Anfang des Films einem Richter vorgeführt. Als er zu seinem Verbrechen etwas sagen soll, sagt das Kind: „Ich will meine Eltern anklagen“. So beginnt der Film, der dann in Rückblicken eine Geschichte erzählt, bei der es den Zuschauern kalt ums Herz wird.

Zain und seine geliebte Schwester © alamode film

Wie alt Zain ist, wissen nicht einmal seine Eltern. Denn gekümmert haben sie sich nie um ihn. Und auch nicht um ihre vielen anderen Kinder. Zain wird auf 12 Jahren geschätzt, als er im Gefängnis landet, weil er einen Mann erstochen hat. Was er davor in seinem kurzen Leben schon alles erlebt und ertragen hat, übersteigt jede Vorstellung. In seinem Blick liegen Wut, Verzweiflung, Verletzlichkeit, Trauer. Es ist das Gesicht eines Kindes, das nie eine Kindheit hatte. Selbst der Schulbesuch wurde ihm und den Geschwistern von den Eltern verweigert. Er muss arbeiten, um die Familie zu ernähren. Als die Eltern seine geliebte Schwester Sahar im Alter von 11 Jahren zwangsverheiraten, hält Zain es nicht mehr aus. Er flüchtet von Zuhause.

Weiterlesen.

Kategorien
Film und Buch

Familienkino im Mai: Zickenalarm im Internat, Spionage in 4D, Tiger und Bär auf Schatzsuche und die Geschichte eines Mädchens, das lieber ein Junge wäre

Tomboy
Was bestimmt unsere Sexualität? Wie passiert es, dass Geschwisterkinder, die in derselben Familie aufwachsen, völlig unterschiedlich geprägt sein können? Während die 10-jährige Laure Kleider hasst, eine Kurzhaarfrisur trägt und am liebsten wie ein Junge in Baggy-Shorts und Sneakers herumläuft, ist ihre 6-jährige Schwester Jeanne das typische Beispiel eines rosaglitzerprinzessin Mädchens, das am liebsten im Tüll-Tutu durch die Wohnung pirouettiert. Als die Familie kurz vor den Sommerferien in eine neue Stadt zieht, kann Laure endlich ihren Traum leben, ein Junge zu sein. Hier ist sie neu und der ganze Sommer liegt vor ihr. Den Kindern aus der neuen Nachbarschaft stellt sich Laure kurzerhand als Michael vor. Da sie genau so gut Kicken und Raufen kann, wie die anderen Jungs, zweifelt keiner ihrer neuen Freunde an ihre Identität. Allerdings muss Laure geschickt vorgehen, um nicht aufzufliegen. So kann sie z.B. keine Freunde zu sich nach Hause einladen. Da passt es gut, dass ihre Mutter hochschwanger ist und Laure allen plausibel erklären kann, dass Besuch stören würde. Trotzdem gibt es Situationen, die das Mädchen vor einer Herausforderung stellen. Das Rudelpinkeln zum Beispiel, oder die Schwimmausflüge. Wobei Laure für letzteres Problem eine geniale Lösung mit Knete findet. Es ist ein wunderbarer Sommer und Laure kostet ihre neue Identität als Junge voll aus. Dazu gehört auch eine erste Verliebtheit in das Nachbarsmädchen Lise. Als der Schwindel doch aufzufliegen droht, wird Jeanne kurzerhand in das Geheimnis eingeweiht. Der Sommer könnte ewig so weitergehen. Doch die schönsten Ferien sind irgendwann zu Ende, und je näher der Schulbeginn rückt, desto verzweifelter wird Laure. Als sie am Ende, ganz in der Rolle des schützenden großen Bruders, den Schubser ihrer kleinen Schwester verprügelt, ist das Spiel aus. Denn solche Prügeleien werden häufig auf Eltern-Ebene geahndet. Laures Eltern sind liebevoll und widmen sich ihren Kindern, doch sie können sich nicht in ihre ältere Tochter hineinversetzen. Vor allem die Mutter merkt nicht, was sie dem Mädchen antut, als sie sie am Ende zwingt, in einem Kleid gesteckt, sich beim verprügelten Junge zu entschuldigen.

Tomboy
Laure und Lisa freunden sich an © Alamode Film

Fast ausschließlich aus Kindersicht erzählt der Film mit großer Authentizität und Natürlichkeit diese berührende Geschichte einer Identitätssuche. Zoé Heran überzeugt als Laure/Michael in ihre erste Kinorolle und auch Malon Lévana spielt die kleine Schwester frappierend echt. Ob dieser Film jedoch für Kinder oder eher für Eltern ist, ist nicht ganz klar. Im Subtext geht es um das die Themen Gender, Homo- bzw. Transsexualität, doch es bleibt offen, ob Laure einfach nur ein Tomboy ist, also sich wie ein Junge kleidet und benimmt, oder ob das Anzeichen ihrer späteren sexuellen Neigung sind. Auf jeden Fall ist der Film empfehlenswert für Eltern, die eine ähnliche Tochter haben, um die Problematik aus Kindersicht zu betrachten. Kinder werden völlig unvoreingenommen Gefallen am Rollenspiel der Titelheldin, und an der Darstellung eines traumhaften Sommers finden. Stoff für anschließende Familiengespräche liefert der Film auch genug.

Regie: Céline Sciamma
Darsteller: Zoé Héran, Malon Lévana, Jeanne Disson, Matthieu Demy, Sophie Cattani u.v.a.

Spy Kids 4 D – Alle Zeit der Welt

Spy Kids
Riechen die Spy Kids etwas? © Senator Film Verleih
James Bond für Minis: Drei Dimensionen reichen nicht, jetzt wehen einem auch noch Aromen um die Nase, um das moderne Kinoerlebnis zu komplettieren. Zusätzlich zur 3D-Brille gibt’s dieses Mal auch eine Rubbelkarte am Eingang, die acht verschiedene Gerüche freisetzen soll. Blinkt eine Zahl auf der Leinwand, ist das entsprechende Feld frei zu kratzen, um die vierte Kinodimension zu erleben. Bis auf Zimt nahm meine Nase nur undefinierbare süßliche Gerüche auf. Vielleicht ist der Geruchssinn von jungen Zuschauern besser ausgeprägt, so dass sie bei diesem Aktion-geladenen Film voll auf ihre Kosten kommen.
weiter lesen …

Regie: Robert Rodriguez
Darsteller: Jessica Alba, Joel McHale, Alexa Vega, Daryl Sabara, u.a.