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Herkules von Lubumbashi auf dem düsseldorf festival!

Sonntag, 22. September 2019, Haus der Universität, Düsseldorf: Stille im Saal. Aus der Stille ertönt der tiefe Ton eines Saxophons und dann spricht eine Stimme: „Mon père voulait que je sois avocat“ – Mein Vater wollte, dass ich Anwalt werde. Denn als Anwalt verdient man gutes Geld. Und kann ein gutes Leben führen. Ein Wunsch, der den Wunsch aller Eltern dieser Welt wiederspiegelt. Dass es den Kindern und Enkelkindern gut geht und sie ein komfortables Leben führen mögen. Doch wer im Kongo als Anwalt arbeitet, arbeitet oftmals für die größten Verbrecher dieser Welt. Und deshalb will der Erzähler (Dorine Mokha) diesen Beruf nicht ausüben. Und doch ist er Anwalt geworden, wenn auch nicht im juristischen Sinne.

Elia Rediger und Dorine Mokha © PODIUM Esslingen

Mit den Mitteln der Kunst – Tanz, Musik, Gesang, Narration – werden in „Herkules von Lubumbashi“, Verbrechen aufgezeigt. Das Stück haben der kongolesische Choreograph Dorine Mokha und der Schweizer Komponisten Elia Rediger entwickelt, um auf die Lage im Kongo hinzuweisen. Zu den Verbrechern an Land und Leuten gehören die größten und respektabelsten Konzerne der Welt: BMW, Huawei, Nokia, Tesla, VW, … die Liste lässt sich endlos fortführen.

Doch über all diesen bekannten Weltmarken thront der größte Verbrecher von allen, die Schweizer Firma Glencore, die durch dubiöse und sehr verzweigte Tochterunternehmen und Beteiligungen zu einem der größten Konzerne der Welt gewachsen ist. Das Hauptgeschäft von Glencore – der Abbau von Bodenschätzen wie Erz, Diamanten, Kupfer, Coltan und Kobalt. Diese Mineralien sind der Schmierstoff, der unsere moderne, industrialisierte und digitalisierte Welt am Laufen hält. Und all diese Schätze findet man im Kongo. Der Kongo hat die Aktionäre der großen globalen Konzerne reich, und die Kongolesen zu den ärmsten Menschen dieser Welt gemacht.

Herkules von Lubumbashi © adomako

Und deshalb klagt nun die Stimme des Volksanwalts die Weltkonzerne an. Hinter ihm erhebt sich ein Triptychon aus drei großen Leinwänden, darauf zu sehen die rot-braune geschundene Erde Kongos, karg und tot. Es zeigt das, was vom tropischen Urwald übrig bleibt, wenn die Minengesellschaften ihre Gewinne abgeschürft haben. Vor dem Triptychon erscheint in Intervallen der Männerchor von Lubumbashi, der Chorale der Ungerechtigkeit einstimmt. Sie singen von Unfällen, von Angriffen auf Minenarbeiter, von den schlimmen Arbeitsbedingungen, unter denen Glencore und seine Unterfirmen arbeiten lassen.

Wer ist überhaupt diese Firma Glencore, von der kaum jemand gehört hat? Wie operiert sie? Ein zweiter Erzähler (Elia Rediger) stimmt ein Lied an, das dem Publikum die Verflechtungen zu erklären versucht. Zuerst füllen laute afrikanische Trommelklänge den Saal, dann erhebt sich seine Stimme in eine Arie, die immer rasender wird, bei dem Versuch alle Firmen, Politiker, Anwälte und bekannte Personen zu nennen, die im Kongo Interessen verfolgen und in irgendeiner Weise mit Glencore verbunden sind. Dazu tanzt Mokha groteske Balletschritte. Die Kluft zwischen Europa und Afrika, zwischen globalem Norden und globalem Süden wird durch die Musik transportiert: klassische europäische Klänge treffen auf traditionelle afrikanische Rhythmen.

Der Minenchor © PODIUM Esslingen

Am Ende hat man im Publikum den Durchblick trotzdem nicht bekommen, viel zu undurchschaubar und verzweigt sind die Verflechtungen, mit denen die mächtigen Konzerne dafür sorgen, dass ihre Geschäfte intransparent bleiben. Was jedoch klar wird: verwickelt in diesen Machenschaften sind unzählige Personen hohen Ranges. Doch keins der milliardenschweren Deals hat jemals Fortschritt für die Menschen im Kongo gebracht. Im Gegenteil: Kongo gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Bühne wird dunkel. Nur die Stirnlampen der in Arbeitsoveralls gekleideten Musiker leuchten fahl. Der Minenchor singt nun von dem Leid der Menschen.

Das Publikum muss das über sich ergehen lassen: „Menschen leiden, damit dein Telefon klingelt“. Die globalen Verflechtungen, die Gier der Konzerne, die Missstände, die Ungerechtigkeit, – man fühlt sich schier ohnmächtig. Was kann man tun? Kann man was tun?

Die Lage scheint hoffnungslos zu sein. Es ist dunkel auf der Bühne, die Stirnlampen der einzige Lichtblick. Und doch: die Hoffnung stirbt zuletzt, wie es immer wieder heißt.

Und deshalb hoffen die Menschen im Kongo auf einen Helden, der sie retten wird.

Tatsächlich erscheint dieser Herkules im letzten Akt, gebeugt unter einer schweren Last. Er bringt die Reichtümer aus den Minen Kongos zurück. Auch einige entwendete Millionen Euro fließen aus der Schweiz zurück ins Land. Fröhliche Tanzmusik füllt jetzt den Saal. Doch die Batteriefabrik, die die Minenarbeiter mit dem Geld errichten, geht pleite. Am Ende also doch die Ausweglosigkeit im Sinne einer klassischen Tragödie?

Im Januar 2020 finden zwei Aufführungen in Berlin statt. Im Februar wird das Stück auch in der D.R. Kongo aufgeführt.

Weitere Vorstellungstermine werden auf der Webseite von Podium Esslingen bekannt gegeben. www.podium-esslingen.de

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Musik

Cécile McLorin Salvant “The Window“

Im letzten Jahr gewann Cécile McLorin Salvant mit ihrem Album „Dreams and Daggers“ den Grammy in der Kategorie „Bestes Jazz-Gesangsalbum“. Auch ihr Vorgängeralbum „For One To Love“ wurde 2016 mit dem begehrten Musikpreis ausgezeichnet. Und mit „Womanchild“, ihrer zweiten Platte, wurde sie immerhin bereits für den Grammy nominiert. Nun liegt ihr fünftes Album vor. Man könnte meinen, dass es nicht möglich sei, über fünf Alben in Folge die Qualität zu halten. Jetzt wird’s mehr mainstreamig, gefällig, beliebig – so ist das doch meistens. Aber nicht bei Frau McLorin Salvant. Auch auf ihrem fünften Album „The Window“ bleibt sie sich treu und präsentiert eine Scheibe mit feinsten Jazz-Vocals. Die 17 Songs, die auf dem neuen Album zusammen getragen sind, beweisen erneut die stimmliche Vielfalt der Sängerin. Ohne viel instrumentelles Drumherum – sie wird nur vom Pianospiel Sullivan Fortners begleitet – singt sie gefühlvolle Balladen von den Irrungen und Wirrungen der Liebe. Und wieder spielt sie die ganze stimmliche Klaviatur ab – mal singt sie mädchenhaft hell, zwitschernd und flötend, dann wieder haucht sie mit tiefdunklem Timbre den Blues heraus. Oft präsentiert sie die ganze Bandbreite ihrer Stimme in einem Song – wie zum Beispiel auf den Tracks „Ever Since The One I Love’s Been Gone“ oder „Wild Is Love“. Auch ihr frankophones Erbe – ihre Mutter eine Französin „d’outre mer“ (aus französischen Überseegebieten), ihr Vater aus Haiti – fließt wieder in die Musik ein in den Titeln „À clef“, eine Eigenkomposition der Sängerin, sowie in „J’ai l’cafard“, einem Song in typischem Chanson-Stil, samt Orgelsound.

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Film und Buch Musik Tanz und Theater

Yuli – Ein Tanzfilm über das Schwarzsein, Rassismus & Kuba

Dass schwarze Menschen alle tanzen können, ist eine weit verbreitete Annahme. Doch dabei denken die wenigsten an Ballett. Der Film „Yuli“ basiert auf der Autobiographie „No Way Home“ von Carlos Acosta und erzählt, wie ein kleiner schwarzer Junge zum Weltstar des klassischen Balletts wurde.

„Yuli“ erzählt eine spannende Geschichte, die auf mehreren Ebenen berührt. Der Film zeichnet das Leben des Weltklassetänzers Carlos Acosta nach, der als Kind eines Lastwagenfahrers in ärmsten Verhältnissen auf Kuba aufwächst.

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