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Film und Buch

Alles auf Anfang

Bald schreiben wir das Jahr 2026. Das erste Viertel des neuen Jahrtausends liegt dann bereits hinter uns. Wer erinnert sich noch an die „Y2K-Panik“, als viele glaubten, die Welt, wie wir sie kannten, würde mit dem Jahr 2000 untergehen? Es wurden zahllose Prognosen aufgestellt, von denen manche tatsächlich einzutreten scheinen – etwa die allumfassende Digitalisierung. Zudem sorgte die Einführung digitaler Projektoren für Unruhe. Viele prophezeiten das Ende der Filmkunst, sollten Filme nicht mehr auf Film, also auf klassischem Zelluloid, gedreht werden. Heute entstehen über 90 Prozent aller Filme digital und die alte Tradition, Geld für das Erlebnis im dunklen Kinosaal und auf der großen Leinwand auszugeben, steht inzwischen in Konkurrenz zu Streamingdiensten wie Netflix. Filme lassen sich heute bequem auf dem Smartphone anschauen –dennoch zieht es uns immer wieder ins Kino. Denn dort erleben wir Geschichten intensiver, werden stärker berührt und mitgerissen.

 

Roger Ebert, der berühmte Filmkritiker, schrieb in seinen Memoiren „Life Itself“: „Filme sind wie eine Maschine, die Empathie erzeugt. Sie lassen uns mehr über die Hoffnungen, Wünsche, Träume und Ängste anderer Menschen erfahren und helfen uns, uns mit denen zu identifizieren, die diese Reise mit uns teilen.“ Das Kino ist ein Ort für die großen Fragen des Lebens. Gewalt gegen Frauen ist eine davon: Wie gehen Frauen und Mädchen, die Missbrauch und Übergriffe erlebt haben, Jahre später mit diesen Erfahrungen um? Die #MeToo-Bewegung hat diese Schwierigkeiten enttabuisiert, Frauen klagen heute an, Täter werden – manchmal – bestraft. Doch was geschieht im Inneren, wie geht das Leben für Betroffene weiter? Filme wie „Sorry, Baby“ und „Small Town Girl“ widmen sich auf unterschiedliche Weise den Folgen solcher Traumata. Die Täter sind Väter, Söhne, Brüder – von Frauen. Wie reagiert eine Frau, wenn sie erfährt, dass ihr geliebter Bruder ein Vergewaltiger ist? In ihrem Debütfilm „Schwesterherz“ geht Sarah Miro Fischer dieser Frage nach.

Während Männer auf der Leinwand oft als Helden inszeniert werden, wie mein Kollege im letzten Vorspann erläuterte, reflektieren Frauenfiguren zunehmend ihr Leben und ihre Erfahrungen.  In „Mother‘s Baby“ behandelt Johanna Moder, ob Mütter ihre Wunschbabys immer lieben – auch jene, die im Labor entstehen. In „Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter“ (Regie: Enya Baroux) setzt sich eine 80-Jährige mit ihrem eigenen Tod auseinander und möchte diesen selbstbestimmt und vorbereitet erleben. In ihrem Langfilmdebüt „Madame Kika“ erzählt Alexe Poukine ohne den männlichen voyeuristischen Blick von einer jungen Frau, die nach dem frühen Tod ihres Mannes sich und ihre Kinder mit Sexarbeit über Wasser hält.

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Film und Buch Gesellschaft und Umwelt

Mutige Filme und Menschenrechte

Unlimited Hope Fritz Bauer & Raphael Lemkin Human Rights Film Awards in Bochum

Der Preisname klingt vielleicht sperrig: „Fritz Bauer & Raphael Lemkin Human Rights Film Awards“ – aber der Zeitpunkt, Filme auszuzeichnen, die sich mit Menschenrechten, Demokratie und Gerechtigkeit befassen, könnte nicht besser sein. Im Fritz Bauer Forum in Bochum wurden am Sonntag, 7. September 2025 die Human Rights Film Awards verliehen. Zuvor hatte an derselben Location drei Tage lang das noch junge Unlimited Hope Film Festival stattgefunden, ein Festival, das Filme würdigt, die sich mit Menschenrechtsfragen beschäftigen.

Aus über 20 Filmen hat die Jury, bestehend aus Sung-Hyung Cho, selbst Filmemacherin, Tobias Bastian, Sounddesigner und Mischtonmeister, der Schauspielerin Maria Wolf und dem Filmemacher und Fotografen Franz Birker drei Filme für die Ehrung mit dem Preis ausgewählt. Einen Langfilm, einen Kurzfilm und einen weiteren Film, der mit einer Sonderehrung bedacht wurde.

Sonderpreis: „Kein Land für Niemand“

Der Sonderpreis ging an einen Film, dem die Jury eine besondere Nähe zum Lebenswerk der Juristen Fritz Bauer und Raphael Lemkin bescheinigte. In „Kein Land für Niemand“ begeben sich die Filmemacher Max Ahrens und Maik Lüdemann auf eine Reise durch politisch turbulente Zeiten, in denen Migration zur Krise erhoben worden ist. Wir alle kennen die Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten, die an den Außengrenzen Europas stranden. Wir alle haben mitbekommen, wie eine rechts-extremistische Partei gegen Migrant:innen hetzt, und wie selbst sogenannte demokratische Parteien wie CDU und SPD eine „Schotten dicht“- und „Abschiebe“-Politik betreiben. Woher kommt dieser Rechtsruck, dieser Mangel an Empathie für Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – ihre Heimat verlassen mussten? Wie gehen Geflüchtete oder Menschen mit Migrationsbiographien mit dem wachsenden Hass um? Der Film versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden. Jury-Mitglied Thomas Bastian würdigte den Film mit den Worten: „Dieser Film ist eine notwendige Stimme in einer Zeit, in der zu viele schweigen oder wegschauen. Danke für diesen Mut. Danke für diese Klarheit. Und danke für einen Film, der uns alle angeht.“

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Film und Buch

„Die Rosenschlacht“ von Jay Roach

Bis dass der Tod sie scheidet


So lebten sie glücklich verheiratet bis ans Ende ihrer Tage – diese Mär gilt heute in immer weniger Fällen. 2024 betrug die Scheidungsrate in Deutschland knapp 36 Prozent, in Großbritannien 42 Prozent und in den USA sogar über 51 Prozent. Keine gute Prognose also für Theo (Benedict Cumberbatch) und Ivy (Olivia Colman). Liebe auf den ersten Fick heißt es für die Köchin und den Architekten aus London, die sich in Ivys Küche kennenlernen und danach spontan entschließen, gemeinsam nach Kalifornien auszuwandern, um dort ein glücklicheres, freieres Leben zu führen. Das geht auch zehn Jahre gut.

Eine schwarzhumorige Erinnerung daran, dass frühe Romantik zu brodelndem Groll und sadistischer Gewalt führen kann, präsentierte uns Danny DeVito schon vor 30 Jahren, als er Warren Adlers Roman „Der Rosenkrieg“ mit Kathleen Turner und Michael Douglas in den Hauptrollen verfilmte. Die Kronleuchter-Szene dürfte allen, die den Film damals gesehen haben, in Erinnerung geblieben sein. Besser geworden sind Beziehungen seitdem nicht, woran schon der witzige Vorspann dieses Remakes erinnert: Ein verliebtes Strichmännchen-Paar segelt gemeinsam zum Turtles-Song „Happy Together“ auf Wolke sieben und endet eingesperrt in zwei getrennten Flaschen – so nah beieinander und doch so weit voneinander entfernt. Der Anfang vom Ende von Ivys und Theos „Happy Together“ wird mit Blitz und Donner eingeläutet. An dem Tag bricht Theos Karriere als Architekt wortwörtlich zusammen, während Ivys bis dahin eher als Liebhaberei geführtes Lokal raketenartig abhebt und bald zum beliebten Restaurant wird. Während Ivy fortan im Sterne(koch)himmel schwebt, kümmert sich Theo um ihre sehr ehrgeizigen Kinder, die sich im Alter von 13 Jahren von Zuhause verabschieden und eine Scheidung der Eltern befürworten. Auch die Eheberaterin, die das Paar aufsucht, sieht keinerlei Zukunft für deren Ehe und rät zur Scheidung. Das finden die Roses seltsam, wo sie doch dafür zahlen, die Ehe zu retten – was Theo wiederum dazu veranlasst, die Erstattung der Parkgebühren einzufordern. Diese gescheiterte Sitzung ist nur eine der vielen sehr witzigen Szenen in dieser gelungenen Komödie. Weiter lesen auf choices.de