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Kino im Mai

Wussten Sie, dass der Mai der einzige Monat in diesem Jahr ist, der mit einem Freitag beginnt? Wenn das den Mai nicht zu einem besonderen Monat mit Alleinstellungsmerkmal macht! Nicht in den April oder den Juni, nein, nur in den Mai wird hineingetanzt. Vielerorts werden noch Maibäume aufgestellt und Maifeste gefeiert. Man nennt ihn den Wonnemonat, der alles neu macht. Im kirchlichen Kontext gilt er zudem als Marienmonat, in dem die Mutter Gottes verehrt wird.

Das in diesem Monat startende Drama „Mother Mary“ mit Anne Hathaway in der Titelrolle hat allerdings außer dem Titel nichts mit der Mutter Maria zu tun. Der Film handelt von einem Popstar, der ein Comeback anstrebt. Im Mittelpunkt steht die angespannte psychosexuelle Beziehung der Sängerin zu ihrer ehemaligen Freundin, die für die Tour ein Kleid entwerfen soll. Ein dunkler Thriller vor dem Hintergrund von Modedesign und Popmusik. Sie mögen Musikfilme? Davon gibt es diesen Monat einige mehr. Zum Beispiel der von James Cameron produzierte Konzertfilm „Billie Eilish – Hit me Hard and Soft: The Tour“ und die Musikdoku „Iron Maiden: Burning Ambition“in der die Heavy Metal Musiker ihre Story erzählen. Auch im Biopic „Vivaldi und ich“ erklingt viel Musik; es handelt sowohl von Vivaldi als auch von einer begnadeten jungen Geigerin. Der Film hat schon mehrere internationale Festivalpreise eingeheimst.

Apropos Festival: Wer Filme liebt, schaut im Mai natürlich nach Cannes, wo vom 12. bis zum 23. insgesamt 23 Wettbewerbsfilme um die begehrten Palmen konkurrieren. Auch hier bei uns gibt es im Mai begehrte Filmpreise: Am 29. werden wieder die Lolas verliehen, in 19 Kategorien. Absoluter Favorit ist „In die Sonne schauen“ mit elf Nominierungen, gefolgt von „Gelbe Briefe“ mit neun. Simon Verhoevens „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ hat mit sieben Nominierungen auch gute Chancen auf ein paar Lolas. Die Deutsche Filmakademie vergibt den Preis in Zusammenarbeit mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Was passieren kann, wenn Wolfram Weimer sich in Preisvergaben einmischt, haben wir neulich erst aus Leipzig mitbekommen, als er drei nominierte Buchhandlungen für den Deutschen Buchhandlungspreis von der Preisträgerliste streichen ließ. Allerdings gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass er sich bei den Lolas eingemischt hat. Michael „Bully“ Herbigs und Wim Wenders‘ Lolas stehen bereits fest: Mit über fünf Millionen Zuschauenden bekommt Herbigs „Kanu des Manitu“ als erfolgreichster deutscher Film des letzen Jahres die Lola für den besucherstärksten Film. Die Ehren-Lola geht an den aus Düsseldorf stammenden Wenders, der als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter nicht nur des deutschen, sondern auch des internationalen Kinos gilt und mit Filmen wie „Paris, Texas“ und „Der Himmel über Berlin“ einen festen Platz im Filmkanon hat.

Welche Filme mit und ohne Auszeichnung im Kino laufen, erfahren Sie HIER.

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And the Oscar goes to …

Am 15. März werden zum 98. Mal die Oscars in Hollywood verliehen, die Auszeichnung für die angeblich besten Filme des vergangenen Jahres. Ein Film hat jetzt bereits Oscar-Geschichte geschrieben: Ryan Cooglers Vampir-Thriller „Blood & Sinners“ mit 16 Nominierungen! Noch nie in der Geschichte der Preisverleihung wurde ein Film in so vielen Kategorien nominiert. Mit „Titanic“ (1997) hat selbst der bisher größte Trophäenabräumer (11 Oscars) zwei Nominierungen weniger erhalten. Ob „Blood & Sinners“ deshalb wirklich der beste Film der vergangenen Kinosaison ist, sollten die Kinogänger entscheiden – selbst wenn der Film ein Dutzend Oscars gewinnt.

Wie es sich mit den ganzen Superlativen hält, hat mein Kollege Helmut Ernst ja im letzten Vorspann beschrieben. So stört es mich auch wenig, wenn meine Favoriten eher selten für Oscars nominiert werden. Wobei das in diesem Jahr anders werden könnte, denn Joachim Triers wunderbarer Familienfilm „Sentimental Value“ geht mit 9 Nominierungen ins Rennen. Erstaunlicherweise gehen einige Hollywood-Größen in diesem Jahr komplett leer aus. George Clooney („Jay Kelly“), Julia Roberts („After the Hunt“), Laura Dern („Is This Thing On?“, Kinostart am 19. März), Colin Farrell und Tilda Swinton („The Ballad of a Small Player“) und die Filme mit ihnen aus dem letzten Jahr wurden in keiner einzigen der 24 „Beste/r …“-Kategorien nominiert. Na und? „Superlative sind doch eh total überschätzt“, wie Kollege Ernst sagt.

Blicken wir lieber in die Zukunft: Während in den vergangenen Monaten oft ernste und nachdenkliche Themen im Kino überwogen, scheint es nun wieder heiterer und mit größerer Genrevielfalt zuzugehen. Alles ist dabei – Action-Abenteuer, Animationen, Dramen, Dokus, Komödien, Romanzen, Horror, Krimis, Fantasy, Science-Fiction. Gespannt bin ich auf Filme zu KI, die uns heute zunehmend beschäftigt. (Hat Tina Adomako diesen Text geschrieben oder war das ChatGPT?) In Science-Fiction-Filmen hat künstliche Intelligenz schon eine Rolle gespielt, als das Konzept tatsächlich noch ferne Fiction war, wie etwa … weiter lesen HIER

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Alles auf Anfang

Bald schreiben wir das Jahr 2026. Das erste Viertel des neuen Jahrtausends liegt dann bereits hinter uns. Wer erinnert sich noch an die „Y2K-Panik“, als viele glaubten, die Welt, wie wir sie kannten, würde mit dem Jahr 2000 untergehen? Es wurden zahllose Prognosen aufgestellt, von denen manche tatsächlich einzutreten scheinen – etwa die allumfassende Digitalisierung. Zudem sorgte die Einführung digitaler Projektoren für Unruhe. Viele prophezeiten das Ende der Filmkunst, sollten Filme nicht mehr auf Film, also auf klassischem Zelluloid, gedreht werden. Heute entstehen über 90 Prozent aller Filme digital und die alte Tradition, Geld für das Erlebnis im dunklen Kinosaal und auf der großen Leinwand auszugeben, steht inzwischen in Konkurrenz zu Streamingdiensten wie Netflix. Filme lassen sich heute bequem auf dem Smartphone anschauen –dennoch zieht es uns immer wieder ins Kino. Denn dort erleben wir Geschichten intensiver, werden stärker berührt und mitgerissen.

 

Roger Ebert, der berühmte Filmkritiker, schrieb in seinen Memoiren „Life Itself“: „Filme sind wie eine Maschine, die Empathie erzeugt. Sie lassen uns mehr über die Hoffnungen, Wünsche, Träume und Ängste anderer Menschen erfahren und helfen uns, uns mit denen zu identifizieren, die diese Reise mit uns teilen.“ Das Kino ist ein Ort für die großen Fragen des Lebens. Gewalt gegen Frauen ist eine davon: Wie gehen Frauen und Mädchen, die Missbrauch und Übergriffe erlebt haben, Jahre später mit diesen Erfahrungen um? Die #MeToo-Bewegung hat diese Schwierigkeiten enttabuisiert, Frauen klagen heute an, Täter werden – manchmal – bestraft. Doch was geschieht im Inneren, wie geht das Leben für Betroffene weiter? Filme wie „Sorry, Baby“ und „Small Town Girl“ widmen sich auf unterschiedliche Weise den Folgen solcher Traumata. Die Täter sind Väter, Söhne, Brüder – von Frauen. Wie reagiert eine Frau, wenn sie erfährt, dass ihr geliebter Bruder ein Vergewaltiger ist? In ihrem Debütfilm „Schwesterherz“ geht Sarah Miro Fischer dieser Frage nach.

Während Männer auf der Leinwand oft als Helden inszeniert werden, wie mein Kollege im letzten Vorspann erläuterte, reflektieren Frauenfiguren zunehmend ihr Leben und ihre Erfahrungen.  In „Mother‘s Baby“ behandelt Johanna Moder, ob Mütter ihre Wunschbabys immer lieben – auch jene, die im Labor entstehen. In „Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter“ (Regie: Enya Baroux) setzt sich eine 80-Jährige mit ihrem eigenen Tod auseinander und möchte diesen selbstbestimmt und vorbereitet erleben. In ihrem Langfilmdebüt „Madame Kika“ erzählt Alexe Poukine ohne den männlichen voyeuristischen Blick von einer jungen Frau, die nach dem frühen Tod ihres Mannes sich und ihre Kinder mit Sexarbeit über Wasser hält.

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