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8. März – Weltfrauentag: Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Die Epstein-Files sorgen für Schlagzeilen. Erst im Februar wurden weitere drei Millionen Dokumente freigegeben, die mit einem der größten Missbrauchsskandale zusammenhängen. Die Akte zeigt, wie mächtige Männer aus Wirtschaft, Politik und Unterhaltung über Jahre hinweg junge Mädchen und Frauen missbraucht und vergewaltigt haben. Präsidenten, Prinzen, Promis. Wer beteiligt war und wer was wusste, wird hoffentlich noch vor Gericht geklärt, auch wenn Donald Trump und seine Handlanger alles daransetzen, dies zu verhindern.

Promis und Normalos

Doch nicht nur Reiche und Prominente üben Gewalt gegen Frauen aus. Allein in Deutschland wird alle drei Minuten eine Frau Opfer von männlicher Gewalt, Tendenz steigend, wie das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigt. 2024 veröffentlichte das BKA erstmals ein Bundeslagebild zu Straftaten gegen Frauen, basierend auf den Zahlen für 2023. Es zeigte sich, dass einer der gefährlichsten Orte für Frauen das eigene Zuhause ist. „Häusliche Gewalt liegt vor, wenn die Gewalt zwischen Personen stattfindet, die in einer familiären oder partnerschaftlichen Beziehung zusammenwohnen“, lautet die BKA-Definition und verzeichnete 2023 über 180.000 weibliche Opfer. Für 2024 meldete das BKA: „Opferzahlen auf neuem Höchststand“ und stellt einen Anstieg von fast 2 Prozent fest.

Fast jeden Tag

Frauen erleben nicht nur körperliche oder sexuelle Gewalt, sie werden auch gestalkt, drangsaliert, psychisch misshandelt, finanziell unterdrückt und riskieren sogar den Tod. Fast täglich wird eine Frau in Deutschland von einem Mann, meistens ihrem Partner oder Ex-Partner, getötet – weil sie eine Frau ist. Für diese Morde gibt es einen Namen: Femizid. Auch diese Zahlen steigen. Nach UNO-Schätzungen wird weltweit alle 10 Minuten ein Mädchen oder eine Frau von einem Partner oder männlichen Familienmitglied ermordet – insgesamt über 83.000 Opfer in 2024. In Deutschland starben in diesem Zeitraum laut Bundesinnenministerium 308 Frauen und Mädchen durch Femizide.

Macht und Tradition

Woher kommt diese Gewalt gegen Frauen? Tradierte Geschlechterrollen, die Frauen als untergeordnet oder als Dienerin des Mannes ansehen, wie das heute wieder von Trad Wives in den sozialen Medien propagiert wird, legitimieren patriarchale Denkmuster. So betrachten Männer Frauen oft als Freiwild oder als Eigentum. Aus E-Mails aus den Epstein-Akten wird deutlich, wie mächtige Männer Mädchen und Frauen als Gegenstände sahen, mit denen sie umgehen konnten, wie sie wollten. Männer haben traditionell mehr Macht und Privilegien als Frauen und diese Machtungleichheit schafft ein Umfeld, in dem Gewalt als Mittel zur Kontrolle oder Unterdrückung von Frauen eingesetzt wird – in allen Gesellschaftsschichten. Die Zahlen von BKA und UNO sind auch nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Straftaten gegen Frauen werden gar nicht erst angezeigt, aus Angst vor den Tätern oder aus Scham, weil diese Straftaten oft als Privatangelegenheit betrachtet werden.

Immerhin ein Anfang

Im aktuellen Film „Fassaden“ erzählt Sandra Hüller die Geschichte einer Frau, die aus einer gewalttätigen Beziehung ausbricht. Die Doku zeigt, wie patriarchale Strukturen in unserer Gesellschaft immer noch so verankert sind, dass Mitwissende oftmals lieber wegschauen. Der Film zeigt, welche Machtstrukturen hinter den Fassaden stecken und wie der Staat Frauen unzureichend schützt. Im Jahr 2024 zeigten fast 38.500 Frauen ihre Partner oder Ex-Partner wegen Bedrohungen, Stalking oder Nötigung an. Das ist immerhin ein Anfang. Doch es müssen noch mehr Frauen ihre Peiniger anzeigen, damit klar wird, dass Gewalt gegen Frauen kein Kavaliersdelikt ist.  (Dieser Text ist hier erschienen.)

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Gesellschaft und Umwelt

Die Hoffnung schwindet

Der Klimawandel ist Realität – messbar, zerstörerisch, teuer. In den letzten fünf Jahren verursachten Unwetterkatastrophen infolge des Klimawandels allein in Deutschland Schäden von über 12 Milliarden Euro; zwischen 1980 und 2024 waren es insgesamt rund 180 Milliarden Euro, so ein Bericht der Rückversicherung München Re. Der Klimawandel zeigt sich jedoch nicht nur dramatisch in Überschwemmungen oder Waldbränden, sondern auch schleichend: 2024 schätzte die Welternährungsorganisation FAO, dass bereits rund 10 Prozent der globalen Landflächen von Versalzung betroffen sind – mit der Gefahr, dass es infolge der Klimakrise 32 Prozent werden. Zudem warnten Wissenschaftler im April 2025, dass steigende Temperaturen die Ausbreitung von Schädlingen fördern und damit massive Ernteverluste bei Weizen, Reis und Mais drohen: Bei einer Erderwärmung von zwei Grad könnten sie um bis zu 46 Prozent zunehmen.

Viel Profit, viel Klimawandel

Trotz dieser konkreten Bedrohungen bleiben Regierungen untätig. Auch auf der COP in Belém setzte sich erneut wirtschaftliches Eigeninteresse gegen globale Verantwortung durch. Deshalb protestieren zivilgesellschaftliche Gruppen, sie organisieren Sitzblockaden, ketten sich an und kleben sich fest. Das ist illegal. Doch sind sie deshalb Kriminelle? Oder nicht vielmehr Menschen, die aus Sorge um das Gemeinwohl handeln, während andere in großem Stil Steuern hinterziehen oder ihre Gewinne maximieren?

Elitäre Fantasien

Superreiche wiegen sich in der Illusion, ihr Vermögen werde sie vor den Folgen der Klimakatastrophe bewahren. Vielleicht funktioniert das eine Zeit lang. Für den Großteil der Menschheit gilt das nicht. Millionen leiden schon heute unter Hitze, Dürren, Hunger und Überschwemmungen. Dennoch verharren viele Gesellschaften in trügerischer Normalität – wie der sprichwörtliche Frosch im langsam erhitzten Wasser. Wissenschaft und Aktivist:innen reißen uns aus dieser Lethargie. Dafür werden sie kriminalisiert.

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Mutige Filme und Menschenrechte

Unlimited Hope Fritz Bauer & Raphael Lemkin Human Rights Film Awards in Bochum

Der Preisname klingt vielleicht sperrig: „Fritz Bauer & Raphael Lemkin Human Rights Film Awards“ – aber der Zeitpunkt, Filme auszuzeichnen, die sich mit Menschenrechten, Demokratie und Gerechtigkeit befassen, könnte nicht besser sein. Im Fritz Bauer Forum in Bochum wurden am Sonntag, 7. September 2025 die Human Rights Film Awards verliehen. Zuvor hatte an derselben Location drei Tage lang das noch junge Unlimited Hope Film Festival stattgefunden, ein Festival, das Filme würdigt, die sich mit Menschenrechtsfragen beschäftigen.

Aus über 20 Filmen hat die Jury, bestehend aus Sung-Hyung Cho, selbst Filmemacherin, Tobias Bastian, Sounddesigner und Mischtonmeister, der Schauspielerin Maria Wolf und dem Filmemacher und Fotografen Franz Birker drei Filme für die Ehrung mit dem Preis ausgewählt. Einen Langfilm, einen Kurzfilm und einen weiteren Film, der mit einer Sonderehrung bedacht wurde.

Sonderpreis: „Kein Land für Niemand“

Der Sonderpreis ging an einen Film, dem die Jury eine besondere Nähe zum Lebenswerk der Juristen Fritz Bauer und Raphael Lemkin bescheinigte. In „Kein Land für Niemand“ begeben sich die Filmemacher Max Ahrens und Maik Lüdemann auf eine Reise durch politisch turbulente Zeiten, in denen Migration zur Krise erhoben worden ist. Wir alle kennen die Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten, die an den Außengrenzen Europas stranden. Wir alle haben mitbekommen, wie eine rechts-extremistische Partei gegen Migrant:innen hetzt, und wie selbst sogenannte demokratische Parteien wie CDU und SPD eine „Schotten dicht“- und „Abschiebe“-Politik betreiben. Woher kommt dieser Rechtsruck, dieser Mangel an Empathie für Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – ihre Heimat verlassen mussten? Wie gehen Geflüchtete oder Menschen mit Migrationsbiographien mit dem wachsenden Hass um? Der Film versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden. Jury-Mitglied Thomas Bastian würdigte den Film mit den Worten: „Dieser Film ist eine notwendige Stimme in einer Zeit, in der zu viele schweigen oder wegschauen. Danke für diesen Mut. Danke für diese Klarheit. Und danke für einen Film, der uns alle angeht.“

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